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Meine Skizzen zu Vorlesungen im Entwurfsunterricht - Peter Quarella

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libro neroMeine Skizzen zu Vorlesungen im Entwurfsunterricht – Peter Quarella

Architektur, Gestaltungund Bauingenieurwesen

Das Skizzenbuch ist steter Begleiter und Arbeitsinstrument. Es ist ein Dokument der aktiven Teilnahme undVerarbeitung von Gehörtem, Gesehenem und Gedachtem. Der Schwerpunkt des Studiums im 2. Studienjahr istdem Wohnen gewidmet. Nach dem Bearbeiten eines Wohnhauses im Kontext zu einer Schweizer Stadt, wird eine grössere Wohnanlage in einer europäischen Metropole entworfen. Im 3. Studienjahr steht die selbstständigeEntwicklung von Projekten mit Vertiefung der Aspekte Gebäudehülle, Tragwerk und Haustechnik an.Gezeigt werden Skizzen über Referate und Vorlesungen, gehalten von meinen geschätzten Entwurfskolleginnenund Kollegen. Dazwischen sind Erinnerungen an interessante Begegnungen während den Seminarwochen.Dass sich Skizzieren und Schreiben vortrefflich ergänzen, zeigt der Briefwechsel mit dem KunsthistorikerPeter Röllin.In der Hoffnung, Interesse und Freude für das Skizzenbuch bei den angehenden Architektinnen und Architektengeweckt zu haben, danke ich der Architekturabteilung.

Peter QuarellaSt. Gallen, Dezember 2009

libro neroMeine Skizzen zu Vorlesungen im Entwurfsunterricht – Peter Quarella

Brief von Peter Quarella an Peter Röllin

Seminarwoche Dänemark 2004

Vorlesungen Entwurf und Konstruieren

der Dozentinnen und Dozenten des

2. und 3. Jahreskurses

- Barbara Burren

- Beat Consoni

- Axel Fikert

- Frank Mayer

- François Renaud

Seminarwoche Lissabon Porto

Seminarwoche Südschweden

Text - Zeichnungen - von Peter Röllin

Inhaltsverzeichnis

1994 03

2004 04

2004 16

bis

2007

2008 70

2009 77

1994 84

3

Lieber Peter Röllin,

Ich solle über mein oder das Zeichnen nachdenken, hast du mich nach deinem letzten Besuch in meinem Atelier gebeten.Die Briefform wähle ich, weil ich gerade im Buch von Natalia Ginzburg – Die Stadt und das Haus – lese. Sie beschreibt darin die Romangeschichte italienischer Familien in Form von Briefen. Ich denke, ich schreibe viel zu wenig in Briefform, das Telefon ermöglicht mir, oder erzieht mich zur Kurzatmigkeit.Nun zum Thema Zeichnen: die Besuche im Rheintal mit dir und Leo, aber auch das Durchackern von Zeichnungen an der Zwinglistrasse, deren Bewerten und Kommentieren sind für mich eindrückliche Erleb-nisse, erzeugen aber auch eine Spannung in mir. Die Frage stellt sich, was ist die Skizze, die Zeichnung für mich, wenn sie nicht für den Papierkorb gedacht ist, wenn ich sie aufhebe und als Stück Gedanken-gut aufbewahre. Die Skizzenrolle, das Transparent zum Drüberhalten auf schon Gedachtes, Gezeichnetes ist ein Arbeitsmittel im Entwurf und entspringt aus dem Entwurfsgedanken der skizzenhaft, gleichsam als Übertragung auf das Papier, bildlich für mich festgehalten wird. So gesehen ist das Zeichnen und Skizzieren ein wesentlicher Teil der Lösungsfindung. Parallel dazu kommt das dreidimensionale Umset-zen in Plastilin, die Kontrolle der Form. Diese Methodik des Entwerfens wird immer mehr durch das CAD verdrängt. Vielleicht hat gerade deshalb meine Handwerklichkeit, also zeichnen, modellieren aber auch das Darstellen des gedachten Bauens in der Abstraktion von Skizzen und Modellen einen wichtigen Stel-lenwert. Nicht die Vorwegnahme von so genannter realbildlicher Darstellung interessiert mich, sondern die Faszination der zeichnerischen Hilfsmittel zur Darstellung der Bauidee. Soviel zum Skizzenpapier respektiv der Skizzen- und Gedankenrolle.Ich erzähle dir noch etwas über meine Skizzenbücher. Das Format in Taschenbuchgrösse von verschie-dener Papierqualität hat im Gegensatz zur Skizzenrolle ein vorgegebenes Blattformat und ist nicht durchsichtig. In den letzten zwanzig Jahren habe ich mehrere solcher Skizzenbücher bearbeitet. Sie sind mir wichtig geworden im zeichnerischen Festhalten von Gesehenem, Gehörtem, Gelesenem und Gedachtem. Wenn ich die einzelnen Bücher durchblättere, überfliege, sind sie fast eine Art Tagebuch. Es entsteht eine Vergegenwärtigung des Ortes, der Zeit, der Architektur. Hier zeigt sich der Weg des autodidaktischen, skizzenhaften Festhaltens von Interesse und Suche. Ich hoffe, das hält noch eine Weile an, denn ich glaube an die Lebendigkeit des ständigen Suchens und Lernens als Prozess. Zeitlich intensiv und thematisch zusammenhängend sind Griechenlandreisen und meine Romzeit. Sie sind mit schwarzem Kugelschreiber gezeichnet, spätere Bücher sind spontaner, unregelmässiger je nach Ereignis oder Bedürfnis weil sie während meiner praktischen Entwurfstätigkeit als Architekt zum Arbeitsinstru-ment wurden. Sie werden zu einer Art Quellennachweis im Arbeitsprozess.Vom anfänglich architektonisch substantiellen Suchen, wie kennen lernen von Vorbildern, skizzieren von Raum und Massverhältnissen, Lichtführungen, Grundrissen, Schnittordnungen, Stadtgefügen etc, entsteht die Kunst der bildnerischen und textlichen Formulierung. Dabei bleibt der Bleistift als zeich-nerisches Mittel im Vordergrund, aber die Verwendung von Farbstift oder Aquarell interessiert mich, weil das Thema Farbe ein wichtiges Element in meinen Bauten ist.Das Zeichnen wird auch Teil meiner Sprache. Das Sprechen über Architektur, das Umsetzen von Gedachtem in Skizzenform, ist wichtig für das Verständnis. Diese Art von Zeichnen, spontan auf weisse A3 Blätter im Gespräch mit Studenten, hilft dem Gegenüber, aber auch mir, das Gesprochene zeichnerisch fest-zuhalten. Hier fasziniert mich vor allem die Spontanität, die Geschwindigkeit, mich auszudrücken. Es ist aber auch das Aufnehmen eines fremden Gedankens oder einer Formvorstellung, um diese in meiner Vorstellungskarft zu interpretieren, d.h. die Qualität der Zeichnung hängt vor allem vom Gegenüber ab. Zu was inspiriert mich das Vorgetragene, was für Quellen werden abgerufen…Es ist nicht einfach für mich, es ist ein Versuch, mit dir zeichnend und schreibend zu denken.

Peter Quarella

4 Seminarwoche Dänemark, 2004

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8 Jørn Utzon, Bagsværd Kirka Copenhagen, 1977

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16 Die funktionelle Stadt, François Renaud

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23Grundriss und Erschliessungstypologien, Beat Consoni

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27Die Bewegung im Raum, Barbara Burren

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34 Das knappe Raumangebot, Beat Consoni

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38 Der Wiederaufbau in Berlin, Barbara Burren

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41Die Gartenstadt, François Renaud

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48 Die Erfindung des Raumkontinuums, Axel Fickert

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51Die Bewegung im Raum, Barbara Burren

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59Wohnungsbau in Winterthur, Axel Fickert

60 Die Stadt des 19 Jhd. der Berliner Block, Barbara Burren

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63Gordon Bunshaft, Boston Beinecke Rare Book Library, Frank Mayer

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68 Chiesa Parrocchiale, Milano 1957, Frank Mayer

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70 Seminarwoche Lissabon Porto, 2008 - la ville blanche

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72 Universität Aires Mateus, Lissabon 2002

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77Seminarwoche Südschweden, 2009

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Zeichnungen

Zeichnungen liegen und hängen vor uns, die eigentlich gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Wir begeben uns sozusagen in private Räume, in die privaten Räume der Entwurfsmappen, der Skizzen- und Notizbücher, der persönlichen Arbeits- und Übungspapiere. Eine Ausstellung mit ungewohnten, zu-weilen auch marginalen Seiten. Unspektakuläres meldet sich also an: Vorstufen, Abklärungen, Übungen, Bildfindungen in Zeichnungen von Ferdinand Gehr (Jahrgang 1896) - mit 98 Jahren der älteste im-mer noch aktive Maler im Land -, Leo Brunschwiler (1955) und Peter Quarella (1945), letzterer nicht Künstler aus Profession, sondern gefragter Architekt und Dozent. Wenn nicht Aufsehen erregend, so macht diese Ausstellung bestimmt in ihrer ungewöhnlichen Zusammenstellung der drei unter sich sehr verschiedenen Zeichner neugierig. Weniger über drei Künstler als über das Medium Zeichnung ist hier eine Verbindung gewählt worden, die uns in diesem ungewohnten Nebeneinander verschiedener Alter und Wege nach der Essenz des Zeichnens fragen lässt. Das ausdruckstarke Mitteilen über die Zeich-nung führt uns dann aber gleichwohl auf die höchst spannenden privaten Felder und Sprachen der drei Bildschaffenden zurück. Zeichnen stellt sich hier als Medium anfänglichen und archaischen Vortastens an, als vorbereitendes, spontanes, impulsives wie auch beruhigendes Mittel. Zeichnen also nicht nur als Hilfsmittel der Bildformung und Konkretisierung, des Absteckens und Markierens, sondern auch als Hilfsmittel des Gegenteils: der Auflösung, der Umwege, des Nichts, des Abstrakten und Allgemeinen. Die Zeichnung nicht nur als Vorstufe einer schon gefestigten oder präziser werdenden Vorstellung, sondern auch als direkter Zugang zum offenen Traum, zur Fiktion, zum Glauben, zur Improvisation und Empfin-dung. Zeichnung ist in ihrer Direktheit und Spontaneität Einfangen und Vorausgeben zugleich. Sie ist fast nichts und kann fast alles sein, sagt Franz Joseph van der Grinten (im Ausstellungskatalog (Zeich-nend) der Klasse Brodwolf im Kunstverein Ulm 1988). Zeichnen sei so das Äusserste und das Innerste, das Erste und Letzte. Zeichnen ist Vielerlei. In den Blättern dieser Ausstellung widerspiegeln sich ganz verschiedene Ausdrucks- und Kommunikationsstufen: vom konkreten Entwurf bei Ferdinand Gehr über die produktive, mehr vom Zufall und von der Stimmung geleiteten Übung bei Leo Brunschwiler hin zur zeichnerischen Debatte, des raum- und konstruktionsbewanderten Architekten Peter Quarella.Er pflegt als Architekt die zeichnerische Entwurfsarbeit in klassischer Form. Skizzenrollen sind für ihn auch Gedankenrollen. Die darin festgehaltene Entwurfssprache ist nicht nur wesentlicher Teil seiner Lösungsfindung, sondern auch gleichwertiges Argument im Bauen gegenüber den heute dominierenden kommerziellen und bauunternehmerischen Wertmassstäben. Das zeichnerische Festhalten des gedachten Bauens auf Papier hält das ständige Suchen und Rückschauhalten auf grosse vergangene und jüngere Architekturlösungen sichtbar und lebendig. Die vom Architekten intensiv geführte Debatte um Gese-henes, Gehörtes, Gelesenes wie Durchdachtes erfährt in der Zeichnung eine komplexe Wichtigkeit. Darauf baut auch die Stärke der Analogien im architektonischen Schaffen von Peter Quarella. Als Gedankengut werden diese Skizzen denn auch aufbewahrt. In diesem Suchen nach dem Substantiellen unterscheiden sich die Transparentpapier- Skizzenrollen und A3- Papiere - diese entstehen ausschliesslich als Konver-sationsmittel mit Studenten - kaum von den insgesamt acht Reise- und Tagebüchern. Diese lassen Orte und architektonische Stätten in Italien, Griechenland, Finnland und in den USA in ihren thematischen und typologischen Zusammenhängen gegenwärtig werden. Zeichnen ist gewichtiger Teil der Architek-tursprache, hier auch von persönlichen Interessen und einer Faszination geprägt, die das moderne CAD-System in keiner Weise ersetzen kann. Gerade im Hinblick auf das aktuelle Verdrängt- werden der Architekturzeichnung durch die Medialisierung und Computerisierung im Bereich des Bauwesens ist der gezeichnete und zeichnende Weg von Peter Quarella höchst bemerkenswert. Zeichnen ist auch da eine Intensivform von Lebendigsein und Lebendigbleiben.

Dr. Peter Röllin

Ausstellung in Katharinen | St.Gallen | 5. bis 27. Nobember 1994

carte blancheIdee dieser Schriftenreihe ist, persönliche Vorlieben von Mitarbeitern der Bauschule einem engeren und weiteren Publikum bekannt zu machen. Die Verantwortlichen publizieren im Rahmen einer vorge-gebenen Struktur ihre Beiträge. 12 Exemplare werden als Farbkopien ausgedruckt, zwei gehen in die Bibliothek, die übrigen werden signiert und verteilt. Die Dokumentation wird dann als pdf-Datei auf dem Server öffentlich zugänglich gemacht. c.b. erscheint 4-mal im Jahr.

c.b. 1: Interieurs – Skizzen von Stephan Mäder, Januar 2007c.b. 2: ... da und dort – Fotos von Stephan Mäder, Juli 2007c.b. 3: Aquarium, Einbau in der Halle 180, Oktober 2007c.b. 4: Exterieurs – Skizzen von Stephan Mäder, Dezember 2007c.b. 5: Master of Arts ZFH in Architektur, Januar 2008c.b. 6: Druckgraphiken – Abzüge in Ätzverfahren von Stephan Mäder, April 2008c.b. 7: Neues aus Berlin – Studentenarbeiten und Bilder aus dem Jahr 2007, Juni 2008c.b. 8: Halle 180 – Architekturschule in einer Industriehalle, Oktober 2008c.b. 9: alte Sachen – Stephan Mäder, März 2009c.b. 10: entsorgte Modelle – Mäder + Mächler, Juli 2009c.b. 11: Vortragsreihe – Hubert Mäder, Oktober 2009c.b. 12: Bilder einer nie gemachten Weltreise – Stephan Mäder, November 2009c.b. 13: Meine Skizzen zu Vorlesungen im Entwurfsunterricht – Peter Quarella, Januar 2010c.b. 14: c.b. 15: c.b. 16:

c.b.13|qree

ImpressumHerausgeber: ZHAW Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen Konzept: Peter QuarellaDruck: CLC, Auflage: 12 ExemplarePublikation: pdf-Datei auf server: www.archbau.zhaw.ch

Ausgabe: 13 - Januar 2010